Eremitage Sankt Petersburg: Meisterwerke & Insider-Tipps

Die Eremitage ist kein Museum, sondern ein Gebäudekomplex mit drei Millionen Objekten – und fast jeder Besucher macht denselben Fehler. Wie Sie Sankt Petersburgs Winterpalast überstehen, ohne dass er zur Tortur wird.

Eremitage Sankt Petersburg: Meisterwerke & Insider-Tipps

Die Treppe hoch, links durch den Iordanskij-Eingang, und plötzlich stehen Sie in einem Raum, der so lang ist, dass die Menschen am anderen Ende wie Puppen wirken. Willkommen im Winterpalast, dem Kern der Eremitage in Sankt Petersburg. Wenn Sie zum ersten Mal hier sind, werden Sie wahrscheinlich denselben Fehler machen wie fast alle: Sie versuchen, alles an einem Tag zu sehen. Ich habe das auch gemacht, vor ein paar Jahren, mit einem Ticket und einem viel zu ehrgeizigen Plan. Nach vier Stunden hatte ich Kopfschmerzen, einen halben Kilometer Fußweg in den Beinen und das Gefühl, einen einzigen Bruchteil gesehen zu haben.

Die Eremitage Sankt Petersburg ist kein Museum im üblichen Sinn. Es ist ein Komplex aus mehreren Gebäuden, verwachsen mit der russischen Geschichte, und wer das versteht, plant seinen Besuch völlig anders. Genau darum geht es hier: nicht um die tausendste Aufzählung von Rembrandt und Matisse, sondern darum, wie Sie das Ding tatsächlich überstehen, ohne dass es zur Tortur wird.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Winterpalast ist nur eines von mehreren Gebäuden, die zusammen die Eremitage bilden.
  • Rund drei Millionen Objekte lagern in den Depots und Sälen, aber nur ein Bruchteil ist dauerhaft zu sehen.
  • Die offiziellen Kassenwege führen über feste Routen, keine freie Rundfahrt durch alle Flügel.
  • Es gibt Katzen im Haus. Mehr als Sie denken.
  • Wer das Bernsteinzimmer erwartet, wird woanders landen, als er glaubt.

Eremitage Sankt Petersburg: was ist das eigentlich genau?

Fangen wir mit der Verwirrung an, die fast jeder Besucher mitbringt. "Eremitage" klingt nach einem einzelnen Museum mit einem Eingang und einem Ticketschalter. Tatsächlich ist es ein Verbund aus mehreren Bauten, die über Jahrzehnte zusammengewachsen sind, und der berühmteste davon ist der Winterpalast.

Welche Gebäude gehören dazu?

Die wichtigsten, in der Reihenfolge, in der Sie sie vermutlich durchlaufen:

  • Winterpalast – das große barocke Gebäude an der Newa, Sitz der Zaren, heute der Haupteingang für Besucher.
  • Kleine Eremitage – direkt daneben, kleiner, oft übersehen.
  • Alte und Neue Eremitage – hier hängt ein Großteil der Gemäldesammlung, die Katharina die Große ab 1764 zusammentrug.
  • Eremitage-Theater – der Name täuscht, es ist keine reine Bühne für Opernabende.

Die berühmte Iordanskaja-Treppe, oft als "Jordan-Treppe" bekannt, gehört zum Winterpalast. Der Name kommt nicht von biblischen Taufszenen, sondern von der Epiphanias-Prozession, die früher über diese Treppe zur Newa hinunterführte. Heute ist sie vor allem eines: der fotogenste Ort für das erste Selfie des Tages.

Warum die große Verwirrung mit dem Bernsteinzimmer?

Hier muss ich kurz deutlich werden, weil ich das selbst falsch angenommen hatte. Das Bernsteinzimmer ist nicht in der Eremitage. Es befindet sich im Katharinenpalast in Zarskoje Selo, etwa 25 Kilometer südlich von Sankt Petersburg. Wenn Sie also ein Ticket für die Eremitage kaufen und auf das Bernsteinzimmer warten, warten Sie vergeblich. Zwei verschiedene Orte, zwei verschiedene Fahrten. Verwechselt das nicht, ich habe schon Leute getroffen, die den halben Tag damit verbracht haben, das zu verstehen.

Eremitage Sankt Petersburg Größe: die Zahlen, die wirklich zählen

Die Zahl, die immer genannt wird, lautet rund drei Millionen Objekte. Klingt beeindruckend, sagt aber fast nichts über Ihren Besuch aus. Denn dauerhaft ausgestellt sind davon nur ein Bruchteil, verteilt über mehrere hundert Säle. Der Rest schlummert in Depots, in denen Forscher arbeiten und die kein Besucher je betritt.

Eremitage Sankt Petersburg Größe: die Zahlen, die wirklich zählen

Was für Sie zählt, sind zwei andere Dinge. Erstens: die schiere räumliche Ausdehnung. Wenn Sie durch die Säle laufen, ohne stehenzubleiben, sind Sie schnell eine halbe Stunde unterwegs, nur um von einem Ende zum anderen zu kommen. Zweitens: die Konzentration der Meisterwerke in bestimmten Flügeln.

Eremitage Sankt Petersburg Bilder: welche Sie wirklich sehen sollten

Sie werden nicht alles schaffen. Also priorisieren. Meine persönliche Reihenfolge, wenn ich nur einen halben Tag hätte:

  1. Rembrandt – die "Rückkehr des verlorenen Sohnes" hängt hier, und das Licht im Raum ist genau richtig dafür.
  2. Matisse – der Saal mit seinen Tanz- und Musik-Bildern ist ein eigener Grund für den Besuch.
  3. Picasso – die frühen kubistischen Werke, weniger bekannt als die in Paris, aber stark.
  4. Französische Impressionisten – Monet, Renoir, Cézanne, in einem Bereich, der noch in den 1990er Jahren kaum gezeigt wurde.
  5. Die italienischen Meister – Leonardo, Raffael, weniger spektakulär, aber für den Zusammenhang wichtig.

Was mir auffiel: Die holländischen Meister werden oft am Rand abgehandelt, dabei liegen sie räumlich nah am Eingang und sind der eigentliche Schatz. Wer früh da ist, kann dort eine halbe Stunde fast allein verbringen.

Eremitage Deutsch: was ist daran?

Der Begriff "Eremitage" kommt aus dem Französischen und bedeutet "Einsiedelei". Katharina die Große ließ sich diese Bezeichnung einfallen, weil die Gebäude ursprünglich als privater Rückzugsort dienten, abseits des Hofes. Nur Auserwählte durften hinein. Dieses Motiv zieht sich bis heute durch: Das Museum ist riesig, aber die Ursprungsidee war ein Ort der Abgeschiedenheit.

Eremitage Sankt Petersburg Katzen: die heimlichen Bewohner

Fragen Sie niemanden am Eingang, ob es Katzen im Haus gibt. Die Antwort ist ja, aber die Tiere leben in den Kellern und Depots, wo sie seit Jahrhunderten Mäuse und Ratten fernhalten. Die Tradition geht zurück auf Zarenerlasse, die den Schutz der Sammlung durch Katzen vorschrieben.

Eremitage Sankt Petersburg Katzen: die heimlichen Bewohner

Was Sie davon mitbekommen? Wahrscheinlich nichts, wenn Sie nicht in den hinteren Bereichen unterwegs sind. Und das ist auch gut so. Die Katzen sind keine Attraktion, sondern Teil der Hauslogistik. Ich habe bei meinen Besuchen nie eine gesehen, aber ich habe auch nie in den Kellern gestanden.

Gebäude Bekannt für Lohnt sich bei knapper Zeit?
Winterpalast Iordanskaja-Treppe, Prunkräume, Gold Ja, unbedingt
Neue Eremitage Rembrandt, Matisse, französische Meister Ja, Kern der Sammlung
Kleine Eremitage kleinere Werke, oft ruhiger Nur mit Zeit
Eremitage-Theater Architektur, gelegentliche Aufführungen Nein, außer bei Interesse

Eremitage Russland: ein Besuch, der funktioniert

Der größte Fehler ist der Ehrgeiz. Ich habe einmal versucht, alle drei offiziellen Routen an einem Tag zu schaffen, und bin am Ende durch die Säle gestolpert, ohne noch etwas aufzunehmen. Seitdem gilt für mich: eine Route, ein halber Tag, Pause in der Mitte.

Die Kassenwege führen über feste Strecken. Sie können nicht frei durch alle Flügel wandern, sondern folgen einer vorgegebenen Route, die je nach Ticket variiert. Wer das weiß, plant realistisch und ärgert sich nicht, wenn er nicht in jeden Winkel kommt. Wer es nicht weiß, steht vor verschlossenen Türen und wundert sich.

Welche Tickets Sie wirklich brauchen

Es gibt mehrere Ticketarten, und die günstigste deckt nicht alles ab. Achten Sie beim Kauf darauf:

  • Das Hauptticket für den Winterpalast und die angrenzenden Gebäude.
  • Ein separates Ticket für Sonderausstellungen, die nicht in der Grundgebühr stecken.
  • Der Eintritt für Kinder und Schüler ist in Russland häufig reduziert, prüfen Sie das vor Ort.

Die Warteschlangen am Morgen sind lang, besonders in den Sommermonaten. Wer kann, geht am frühen Nachmittag, wenn die erste Welle durch ist. Ich habe das einmal so gemacht und stand nur zwanzig Minuten an, statt fast zwei Stunden.

Was Sie zu Hause lassen sollten

Große Rucksäcke, sperrige Jacken und alles, was Sie beim Durchqueren enger Treppenhäuser behindert. Es gibt Garderoben, aber die sind an Stoßtagen überfüllt. Nehmen Sie ein kleines Gepäckstück mit, das reicht. Und tragen Sie bequeme Schuhe, weil Sie mehr stehen und laufen, als Sie glauben.

Winterpalast St. Petersburg: was bleibt

Was mich jedes Mal wieder überrascht, ist nicht die Größe. Es ist die Stille in bestimmten Räumen. Mitten im Trubel gibt es Ecken, in denen kaum jemand steht, oft direkt neben einem der bekanntesten Bilder. Die Leute laufen zu den Highlights und übersehen das, was daneben hängt.

Deshalb mein Rat, wenn Sie planen: Gehen Sie nicht die Liste der größten Namen ab. Bleiben Sie zehn Minuten länger in einem Raum, den Sie mögen, und lassen Sie fünf andere aus. Sie werden mehr davon haben.

Und wenn Sie am Ende völlig erschöpft auf der Treppe sitzen, mit dem Rücken zum Fenster und der Newa im Rücken, dann wissen Sie: Sie sind nicht durch das Museum gegangen. Sie haben einen kleinen Teil davon wirklich gesehen. Der Rest bleibt für das nächste Mal. Denn eines ist sicher, ein zweites Mal kommt fast jeder wieder.

Michael Frank
AUTOR

Michael Frank ist Journalist und berichtet seit über zehn Jahren über Themen mit Familienbezug. Sein Fokus liegt auf Aktivitäten und Erlebnissen für jedes Alter, familienfreundlichen Unterkünften und Nachrichten. Frank behandelt in seiner Arbeit sowohl praktische Reisetipps als auch gesellschaftliche und politische Hintergründe, die Familien betreffen.

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